"... Anton Bruckners Sinfonie c-Moll bildet die Vorlage für einen viersätzigen Zyklus in dem der Topos "Durch Nacht zum Licht" Gestalt bekommt: Aus dem sich sukzessive aufhellenden Dunkel irdischer Beklemmung leuchtet am Ende der Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" wie ein strahlender Stern. Auch in Mozarts Requiem dramatisiert sich der von Zitaten aus der Totenmesse gespickte Satz quasi von selbst, die Erlösung am Abgrund der Zeit mit dem Erlöschen des fragmentarischen "Lacrimosa" suchend. Die über das Freiburger Münster verteilte Orgelanlage mit 144 Registern auf vier Instrumenten stellt für diese Tongemälde die notwendigen Konstanten zur Verfügung, deren sich Jürgen Geiger virtuos zu bedienen weiß."

 CD-Rezension "Enjott Schneider - Sacred works Vol. 8" - Michael Gerhard Kaufmann in Musik & Kirche, Mai 2013

 "... Jürgen Geiger lässt an den vier Orgeln des Freiburger Münsters keine Wünsche offen. Da zeigt sich nachdrücklich, wie sinfonisch die Anlage seit dem Einbau der neuen Michaelsorgel klingt."

CD-Rezension "Enjott Schneider - Sacred works Vol. 8" - Johannes Adam in der Badischen Zeitung, Dezember 2012

 http://www.badische-zeitung.de/klassik-rezensionen/cd-klassik-ii-sinfonischer-advent--67221620.html

Aberwitzig virtuos

"Horowitz . . . goes organ": Die bemerkenswerte CD des Münchner Organisten Jürgen Geiger.

Dass sie "nicht nur ein Kircheninstrument ist, sondern auch ein Konzertinstrument ersten Ranges" - das bescheinigte bereits anno 1900 der Komponist Max Reger der Orgel. Auf dieser CD kann sie ihre exzellenten Konzertqualitäten unter Beweis stellen. Primär Repertoire russischer Provenienz trifft da auf ein Instrument, das in seinem Charakter der französischen Orgelsinfonik verpflichtet ist.

Nicht unbedingt ein Russe war ja Franz Liszt, dessen Rákóczy-Marsch hier zu hören ist - der Organist Jürgen Geiger bearbeitete ihn frei nach Tonbandmitschnitten von Vladimir Horowitz. Liszt und Horowitz, Komponist der eine, dessen Interpret der andere - und beide Giganten des Klaviers: Da ahnt man, was einen erwartet. Eben aberwitzig Virtuoses. Geiger transferiert all dies auf die Orgel. Das gelingt längst nicht jedem - wohl aber diesem Musiker, der, was ja gar nicht so häufig vorkommt, auf Orgel und Klavier gleichermaßen hoch qualifiziert ist. "Horowitz . . . goes organ" heißt die bemerkenswerte Scheibe. Der in München ausgebildete Tastenmann kann spielen. Wer ihn vergangenen Sommer bei seinem Freiburger Rezital erlebt hat, weiß das.

Auch Geigers eigene "Toccata farnetica" von 2005 fordert den Organisten. Sie beginnt motorisch, wie das im französischen Toccatenstil seit Charles-Marie Widor Usus ist. Nach einer Scherzo-Episode wird's mal fast perkussiv, dann rücken huschende Aliquot-Kaskaden in den Vordergrund, ehe Motorik den Bogen zum Beginn schlägt. Die russischen Stücke implizieren Gefühl. Zum Beispiel Rachmaninows "Mélodie". Darin findet sich auch die berührendste Stelle der gesamten CD: wenn Streicherwohllaut und extrem tiefer 32-Fuß-Subbass des Pedals (der ähnlich schön trägt wie sein "Bruder" im Freiburger Münster) mystisch den Kehraus bilden. Wo wir bei den Registern sind: Am Ende der das "Dies irae" aufgreifenden Glasunow-Fantasie op. 110 wirkt die Posaune so substanzreich, als stünde sie in einer Orgel von Aristide Cavaillé-Coll. Doch das hier gewählte, in puncto Register sehr ordentlich ausgestattete Exemplar baute 2003/04 Bernard Dargassies. Es ziert die Kirche St-Eloi in Dunkerque.

In seiner Kunst verbindet dieser Vertreter des Jahrgangs 1976 die Tugenden Technik und lyrische Feinfühligkeit. Dass er es sich keinesfalls leicht macht, beweist die Zugabe: Bachs Sinfonia aus der Kantate "Wir danken dir, Gott, wir danken dir" von 1731 erklingt nicht in der üblichen Dupré-Adaption, sondern in Geigers Umarbeitung frei nach der Klavierfassung Rachmaninows. Fazit: Jürgen Geiger bringt Virtuosität und Ausdruck auf die Orgel, die sich in beiden Genres glänzend bewährt.
 

Johannes Adam in der Badischen Zeitung, Februar 2011
 
http://www.badische-zeitung.de/klassik-rezensionen/aberwitzig-virtuos--41808934.html

 "... Von seinen Orgelsinfonien... ist auf dieser CD die Nr. 6 berücksichtigt. Jürgen Geiger, der mit dem fünfsätzigen Werk - Beiname "Te Deum" - in diesem Sommer im Freiburger Münster reüssierte, spielt an der Bruckner-Orgel der Stiftsbasilika St. Florian. Anton Bruckner und dessen "Te Deum" schwingen hier mit. Man spürt, dass sich Schneider generell mit der Orgel auskennt. In seiner Musik, die fantasievoll und eigenwillig sein kann, gehen Strukturen und Farben in eins. Und der Interpret (Jahrgang 1976) agiert dabei absolut souverän."

CD-Rezension "Enjott Scheider - Sacred works Vol. 4" - Johannes Adam in der Badischen Zeitung, November 2010
 
http://www.badische-zeitung.de/klassik-rezensionen/regio-cd-der-sinfoniker-aus-weil-am-rhein--38092528.html

"... Die Verbindung mit Horowitz besteht darin, dass Horowitz bekannt war für seine Klaviertranskriptionen und Geiger bei seinen eigenen Orgeltranskriptionen typische Horowitz-Techniken verwendet. Um festzustellen was diese „Techniken" beinhalten, müssten Sie beispielsweise Horowitz` Darbietung des Rakóczy-Marsches neben der von Jürgen Geiger hören. Ähnlich wie sein Inspirator „löst" sich Geiger vom ursprünglichen Notenbild und gibt davon eine äußerst persönlich gefärbte Wiedergabe. Das ist etwas anderes als die gewöhnlichen Note-für-Note-Transkriptionen, die man zumeist in der Orgelwelt hört. Wenn Sie virtuose Vertonungen lieben, werden Sie an dieser CD viel Freude haben.

„Seriöser" in der Behandlungsweise sind die Bearbeitungen Sergei Tanejews Präludium und Fuge in gis-Moll und Rachmaninows Mélodie in E-Dur, beides Klavierkompositionen. Hier bekommen die Transkriptionen Mehrwert, da durch den Gebrauch der Orgel ein vielfarbigeres Klangbild entsteht als das Klavier bieten kann.

Die fünfzehn Minuten dauernde, für Orgel geschriebene Fantasie in g-Moll von Alexander Glazunow, gewidmet "A Monsieur Marcel Dupré", ist ein faszinierendes, abwechslungsreiches, kompakt komponiertes Werk. Geigers eigene, wirbelnde Toccata farnetica kann als eine wahre Hommage an Horowitz bezeichnet werden, ganz in seinem Geist geschrieben und gespielt. Das 26 Seiten zählende Booklet (in Deutsch, CV Jürgen Geiger in drei Sprachen) gibt viele Hintergrundinformationen über das gespielte Repertoire inklusive seltener Bilder der Komponisten."

CD-Rezension "Horowitz goes organ" - Gerco Schaap auf www.opusklassiek.nl, Mai 2010 (Übersetzung aus dem Niederländischen: C. Bredschneijder) 

  "...in wessen Händen könnte die sechste Orgelsinfonie besser liegen als in denen des Widmungsträgers und Bestreiters der Uraufführung? Dass auch für die vorliegende Einspielung wieder die große Bruckner-Orgel zur Verfügung stand, darf ebenfalls als Glücksfall angesehen werden. Geiger, 1976 geboren und in gleichen Maßen Pianist wie Organist, begeistert die Presse sonst durch virtuose Darbietungen. Auch die technischen Anforderungen der hier gespielten Musik stellen keine Hindernisse dar; schön ist die eindrucksvolle Präsentation der Klangmöglichkeiten der Orgel, der Geiger die verschiedensten Klangfarben und -kombinationen entlockt. Auch die Stücke, die auf Zurschaustellung eines spieltechnischen Feuerwerks verzichten, gelingen Geiger eindringlich und in abgerundeter Art und Weise. In seiner Schlichtheit berührt das Choralvorspiel 'Schmücke dich ...' mit sanft wiegenden Akkorden in den Oberstimmen und der Choralmelodie im Pedal; die ruhige und friedvolle Atmosphäre, die Geiger hier evoziert, dürfte stimmungsvoller kaum hinzubekommen sein." 

CD-Rezension "Enjott Schneider - Sacred Music Vol. 4" - Christian Vitalis auf www.klassik.com, Februar 2010

      

 organ - Journal für die Orgel 2009/01

"... Die von Jürgen Geiger zum vorliegenden Heft unter dem fast provokativ anmutenden Motto "Horowitz ... goes organ" eingespielte organ-CD bietet manch Unerhörtes und Ungehörtes auf der Orgel. Diese Aufnahme plädiert auf für eine künstlerisch beflügelnde, weil durch und durch überzeugende Verbindung von technisch anspruchsvollster moderner Pianistik und hochvirtuosem, modernem Orgelspiel." 

                       Chefredakteur Wolfram Adolph in organ - Journal für die Orgel, 2009/01 

„... Jean Guillou ... hatte sich Verstärkung unter Kollegen geholt - die Herren Bönig, Buttmann, Geiger, Wolf aus Deutschland und Bonetto, Celeghin, Phibes, Di Rosa aus Italien. Dazu den Dirigenten Johannes Skudlik und, um dieser „Révolte des Orgues" Schlagkraft im Wortsinn zu geben, die Perkussionistin Hélène Colombotti..."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Juni 2007

„... Zu einer kammermusikalischen Sternstunde wurde das Konzert des Meistergeigers Boris Kucharsky und des Pianisten Jürgen Geiger... Dieses Duo ist einfach atemberaubend... Solistischer Glanz erstrahlte nach der Pause, als Jürgen Geiger seine eigene Bearbeitung von Liszt´s „Ungarischer Rhapsodie für Klavier a-Moll Nr. 13" virtuos interpretierte. „Himmlisch", empfand eine Zuhörerin deutlich hörbar. Bravo Rufe und stehende Ovationen waren der Dank für zwei wundervolle Stunden, welche das Duo mit Edward Elgars „Salut d´amor" abrundeten."

Augsburger Allgemeine Zeitung, Juni 2007

„... In der Tradition von Vladimir Horowitz bearbeitete Geiger Liszt und Rachmaninoff. Am Flügel im großen Saal spielt er seine Interpretationen frei. Die Zuhörer feiern die Virtuosität des jungen Mannes mit Bravo-Rufen und frenetischem Beifall..."

Augsburger Allgemeine Zeitung, Mai 2007

„... Jürgen Geiger überzeugte bei seiner Klaviermatinée mit Werken von Chopin (Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23), Debussy (Préludes), Liszt (Sonate h-Moll) und einer Uraufführung des Komponisten Holger Aurel Jung (Studies for piano) mit seinem virtuosen Können als gereifter Pianist. Höhepunkt war der von Vladimir Horowitz bearbeitete Rakóczy-Marsch, den Geiger nach alten Aufnahmen rekonstruierte und das Publikum im vollbesetzten Konzertsaal vollends begeisterte..."

Augsburger Allgemeine Zeitung, Februar 2003